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 Feiertage, Feste, Ereignisse, Gute Vorsätze.
veetina

23.12.2006 15:59
Die Wintersonnenwende Zitat · antworten
Diese schöne Abhandlung habe ich im Wikepedia gefunden A. Hultgård: Jul. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin 2000, Bd. 16
Von diesen Bräuchen haben wir viele mit in unsere Zeit genommen, die sich dann aber im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Daher spricht A. Hultgård auch von umstrittenen Anfängen.
Mich interesseierte dieser Artikel sehr und ich war erstaunt, was aber doch alles so übrig geblieben ist und wir immer noch mit einem, für uns mittlerweile christlichem Fest verbinden.
Immerschon haben die Menschen, in der dunklen Jahreszeit, Lichter, und später Kerzen angezündet. Sie haben sich getroffen, um Feste zu Feiern, gutes Essen zu schmausen und stärkende Getränke zu sich genommen. Schließlich waren die früheren Winter, auch in unseren Breitengraden, mal kälter.
Auch wurden damals schon Messen gefeiert, natürlich ohne Ähnlichkeiten mit unseren, da sich damals der Glaube doch sehr von unserem heutigen unterscheidet.




Die Anfänge

Die frühe Geschichte des Julfestes ist sehr umstritten. Die Meinungen reichen von der Leugnung eines vorchristlichen Julfestes bis zu Rekonstruktionsversuchen aus späteren Bräuchen. Dabei spielt die unterschiedliche Bewertung der altwestnordischen Quellen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit die entscheidende Rolle. Auch ist umstritten, wie weit man Berichte über Herbst- und Winteropfer mit dem Julfest in Verbindung bringen darf, um vorchristliche Riten zu beschreiben. Das zeigt sich an der unterschiedlichen Bewertung des alfablót (= Elfenopfer) in den Austrfaravísur des Skalden Sighvatr oder Snorris Schilderung des Opfers in Tröndelag, zu dessen Teilnahme König Håkon der Gute gezwungen wurde. Es ist aber unstrittig, dass das Wort selbst vorchristlich ist. Die Kirche hatte vergeblich versucht, das Wort durch andere Begriffe zu ersetzen (Norrøn: Dróttins burðar tíð, Altschwedisch: gudz födzlo hötidh). Die altenglischen, nordischen und gotischen Belege stammen alle aus christlicher Zeit und stehen fast durchweg in christlichem Kontext. Es ist daher schwierig, aus den knappen Quellen der altnordischen Literatur ein Bild der verschiedenen Feste zu gewinnen. Das gilt für das erwähnte alfablót der Skandinavier und die "Nacht der Mütter" bei den Angelsachsen. Der Rückschluss von späteren Bräuchen begegnet der starken Wandlungsfähigkeit solcher Bräuche und ihrer Fähigkeit, sich andere Elemente anzueignen. Generell ist zu beachten, dass Sitten und Bräuche, die an die römischen Kalendae-Feste gekoppelt waren, alsbald in volkstümliche christliche Feiern aufgenommen wurden und sich im Zuge der Christianisierung über ganz Europa bis in den Norden ausbreiteten. Dazu gehören Bräuche mit Vermummungen und die Sitte, sich zu Silvester zu beschenken, was später auf das Weihnachtsfest überging.

Der altisländische Kalender lebte neben dem kirchlichen Kalender nach der Christianisierung noch eine Weile fort. Er wurde allmählich dem julianischen Kalender angeglichen. Das geschah bis zum 12. Jahrhundert. In einer komputistischen Abhandlung aus dem 13. Jh. findet man noch ýlir, eine Ableitung für jól, für den zweiten Wintermonat. In jener Zeit bezeichnete ýlir die Zeit vom 14. November bis 12. Dezember (Lit.: H. Celander 1955, Weiser-All, 1963, S. 6). Die gotischen und der altwestnordischen Monatsnamen juleis und ýlir sind bereits dem kirchlichen Kalender angepasst und besagen nur, dass das Julfest zwischen Mitte November und Mitte Januar lag. Die altenglische giuli-Zeit bezeichnete nach Beda Venerabilis Dezember und Januar (Bedae De Temporum Ratione Kap. 15). Bei der näheren Zeitbestimmung stützt man sich im wesentlichen auf Snorri Sturluson. Er nennt drei Jahresfeste der vorchristlichen Nordleute: Ein Fest zu Beginn der Winterperiode, ein zweites Fest zur Mitwinterzeit und ein drittes im Sommer, wahrscheinlich zu dessen Beginn (Heimskringla, Olafssaga helga Kap. 109, 117; Ynglingasaga Kap. 8). Die Angaben der Olafssaga betreffen Trøndelag, die Angaben der Ynglingasaga betreffen nach dem Zusammenhang die Mälargegend in Schweden. In der Saga über Håkon I., den Guten, berichtet er, dass man früher das Julfest zur "Mittwinternacht" 3 Tage lang gefeiert habe. Nach der altwestnordischen Zeitrechnung fiel die Mittwinternacht auf die Mitte des Winterhalbjahres. Das war der 14. Januar. Es ist aber nicht sicher, ob die Bezeichnung "Mittwinternacht" in der vorchristlichen Periode wirklich die Mitte des Winterhalbjahres war, oder die längste Nacht der Winterperiode. Andere Forscher stützen sich auf den agrarischen Jahresverlauf und halten das germanische und skandinavische Julfest für mit den Festen identisch, die im Anschluss an die herbstliche Tierschlachtung und zum Ende der herbstlichen Drescharbeiten von Mitte November bis Mitte Dezember stattfanden (Lit.: Bjørnsson, 1995, Celander 1955, Tille, 1893). Dem wird die Zuverlässigkeit von Snorris Angaben entgegengehalten. Also war das Julfest mit Snorri Mitte Januar oder zur Zeit des zunehmenden Mondes nach der Wintersonnenwende. Prokopios von Caesarea berichtet von einem großen Fest auf Thule für die Zeit, wenn die Sonne nach der langen Winter-Dunkelheit zum ersten Mal sichtbar wurde. Seine Angabe 40 Tage Winterdunkelheit und 40 Tage Mitternachtssonne bezieht sich sicherlich auf die Lofoten. Beda berichtet, dass im England seiner Zeit das Jahr am 25. Dezember begann und dass die Nacht wegen der zu beobachtenden Bräuche als die "Nacht der Mütter" bezeichnet wurde. Thietmar von Merseburg berichtet von einer Kultfeier bei den Dänen, die im "Januar, am Tage, an dem wir des Herrn Ankunft feiern" stattfand.

Das Haraldskvædi, das um 900 entstanden ist, ist die einzige Skaldendichtung vor 1100, in der das Julfest genannt wird. Dort stellt der Dichter die Julfeier auf dem Lande dem Jultrinken der Seekrieger gegenüber. Dort heißt es in der 6. Strophe: "Der König will das Jul draußen (auf dem Meer) trinken und das Spiel Freyrs beginnen". Die Formulierung "Jultrinken" deutet darauf hin, dass das Trinken ein wesentlicher Bestandteil des Julfestes war. Der Dichter erwähnt in diesem Zusammenhang Freys leikr, also Spiele des Freyr, ohne nähere Erläuterung. Man kann auf jeden Fall von Freyr-Riten zur Julzeit ausgehen, von denen auch spätere Quellen berichten. Auch in den Sagas über Familien ist hie und da von Jul die Rede. Aber hier sind die Zeitbestimmungen ziemlich sicher bereits vom christlichen Festkalender beeinflusst. Die von Snorri und anderen geschilderten Opferrituale werden nicht als authentische Darstellung angesehen. Die Schilderung der Opfer hält man heute für literarische Konstruktionen. Allenfalls die Gelübde, die man mit der Hand auf einen Eber ablegte, der später dann Freyr geopfert wurde, scheinen ein vorchristliches Element zu sein, wenn auch die Überlieferung relativ spät ist.

Aus vorchristlicher Zeit soll neben dem beschriebenen Jultrinken auch der Julbock stammen, ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock. Dieser lässt sich vielleicht auf die Ziegenböcke des Gottes Thor zurückführen, die seinen Wagen ziehen. Er bringt auf seinem Rücken noch heute in Skandinavien die Geschenke. Die heute auch im Christentum bekannten zwölf Rauhnächte, die sich dem 25. Dezember anschließen, zwischen Jul und Epiphanias, sollen schon den Germanen bekannt gewesen sein. Zu dieser Zeit soll sich in der germanischen Vorstellung auch Wotans alljährliche Wilde Jagd abgespielt haben, in der die Geister der Verstorbenen mit Odin über das Land ziehen sollten. Der Glaube, dass zu dieser Zeit das Geisterreich offenstehe, zog Bräuche wie das Stehenlassen von Essen für die Geister (siehe unten) oder das Verbringen von Essen in die Megalithanlagen mit sich.(Lit.:Glob 1967) Auch für Odins Pferd Sleipnir stellte man Nahrung vor die Tür. Ebenfalls in den Rauhnächten spielt das Märchen um Frau Holle, die deutliche Bezüge zur germanischen Totengöttin Hel hat.

Auch eine byzantinische Quelle des 10. Jh. berichtet von Zeremonien des Kaisers Konstantin Porphyrogennetos am neunten Tag einer Periode von 12 Tagen zwischen Jul und Epiphanias, in denen zwei Gruppen von Männern als "Goten" verkleidet und mit Fellen behangen um den Tisch tanzten und unverständliche mit lateinischen Wörtern durchsetzte Texte sangen und mit Stäben auf die Schilde schlugen. Es wird vermutet, dass es sich um Soldaten der wikingischen Leibgarde handelte, die den byzantinischen Sieg über die Goten im 6. Jahrhundert besangen und dies mit heimischen Brauchtumsresten vermengten.


Tina

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