Lieber Wolfgang! Was ist Sterbehilfe. Eine Begleitung für ein würdevolles Sterben ohne Schmerzen und langer Quälereien ist in meinen Augen keine Sterbehilfe. Die Betonung liegt auf langer Quälerei. Eine Magensonde ist lange Quälerei. Der Mensch erfindet immer neue Methoden "Leben" zu verlängern. Nur zu welchem Preis! Die Natur sagt nein; ich sorge dafür, daß der Mensch langsam ohne Schmerzen einschlafen kann. Diese Menschen verspüren keinen Hunger mehr. Deine Mutter hat Infusionen bekommen, also konnte sie nicht verdursten, was der Mensch qualvoll spüren würde! Es ist schon richtig - mit einer Magensonde hätte sie noch Jahre im Bett und ohne Erinnerungen dahinvegetieren müssen! Aber hätte sie das gewollt? Deine Empfindungen kann ich gut verstehen, habe ich das doch alles selbst durchlebt. Man möchte den geliebten Menschen nicht gehen lassen, denn man liebt ihn doch! Andererseits möchte man das Beste für ihn. Diesen Zwiespalt gilt es zu bewältigen und das ist Trauerarbeit. Du hast alles richtig gemacht, und deine Mutter wird dir dafür dankbar sein.
Zitat von leolingamiOder würdet Ihr das Weglassen der Magensonde als Sterbehilfe interpretieren, irgendwie komme ich damit nicht klar, weil ich das manchmal doch so empfinde... Was denkt Ihr darüber??
Ich habe extra eine Patientenverfügung gemacht in der bestimmt wird, dass ich an keine lebensverlängernden Maschinen oder Schläuche oder Sonden gehängt werden will.
Ich denke jeder Mensch hat ein Anrecht auf einen würdigen Tod. Du und deine Familie, ihr habt bestimmt alles richtig gemacht. Ich wünsche dir viel Kraft um ihren Verlust zu verarbeiten.
Ich will und mag niemanden belasten wegen der bei uns bestehenden Gesetze. Nur - ich habe auch heute schon sichergestellte, dass ich, insofern nicht irgendwas durch einen Unfall dazwischenkommt, ich meinem Leben ein Ende setzen kann, wenn es irgendwann nur noch in Qualen übergeht, die keiner mehr ertragen will. Und, ich werde diesen Schritt auch tun, bevor andere ihn mir nehmen können. Nein, es hat nichts mit Waffen zu tun. Da kann zu viel schief gehen. Ja, meine Pflanzenkunde hilft mir zu einem sanften Übergang. Nein, ich möchte nicht, dass es jemand verhindert, wenn ich weiß, dass es letztendlich der sanfteste Weg ist. Ja, ich werde jedem auf die Nerven gehen auf der anderen Seite, wenn er mir meinen freien Willen genommen haben sollte. Und, ich finde schon, dass ich trotzdem innerhalb der Friedhofsmauern meinen Platz finden sollte. Woanders wäre aber ganau so gut. Nein, es gibt nichts akutes. Ihr werdet mich noch einige Zeit ertragen müssen.
Iris, dein Weg ist gut solange du ihn selber gehen kannst. Aber was ist wenn du es nicht frühzeitig merkst? Wenn du dir deinen Pflanzensaft nicht mehr selber einflössen kannst?
Es ist für die betroffenen eh schon schwer genug diese endgültige Entscheidung für einen lieben Menschen treffen zu müssen, aber sie ist in meinen Augen auch gnädig. Ich bewundere jeden der zum Wohle des Patienten so entschieden hat.
Lieber leolingami, Du und Deine Familie, ihr habt ganz richtig gehandelt. Ihr seid dem Wunsch der Mutter gefolgt, sie möchte nicht an „lebensverlängernde“ Maschinen angeschlossen werden, das ist das Wichtigste was ihr für sie machen konntet. So eine Sonde ist wirklich eine lange unnötige Quälerei. Wir wissen doch, dass jeder von uns eines Tages gehen muss, wenn Geist und Körper schwach und verbraucht sind. Oft ist es jedoch der Wunsch der Angehörigen, und nicht der des Patienten, wohl aus Angst oder „schlechtem Gewissen“ solche Maßnahmen zu veranlassen. Durch meine Arbeit habe ich schon öfters Menschen mit so einer Sonde betreut, und ich muss sagen, es hat mich belastet, diesen Menschen, die nicht mehr am täglichen Leben teilhaben können, nicht mehr reagieren oder sich artikulieren können, so zu quälen. Mir ist aufgefallen, dass auch von diesen Menschen bei der Versorgung der Sonde ab und zu eine Reaktion kam, die alles andere, aber nicht wie Wohlbehagen erschien. Mit unseren Eltern haben meine Geschwister und ich genau so gehandelt, wir sprachen, so lange sie noch Gesund waren, über ihre Wünsche, und wir haben diese, als unsere Eltern nicht mehr selber in der Lage waren sich zu äußern, vor den Ärzten vertreten und uns für unsere Eltern eingesetzt.
Eine Patientenverfügung ist wirklich sehr Sinnvoll, die Angehörigen müssen aber darüber informiert werden. Man sollte jedoch darauf achten, diese immer wieder mit neuem Datum und neuer Unterschrift zu versehen
Ich habe meine Patientverfügung von einem Notar fertigen lassen. Die Gebühren dafür sind nicht unerheblich und diese dann immer mit neuestem Datum zu versehen ist mir ehrlich gesagt auch zu teuer!!!
Ich danke Euch für Eure Meinungsäusserungen und komme von Tag zu Tag mehr an den Punkt, wo ich meine Entscheidung nun auch vor mir selbst, vor meinem Gewissen verkraften kann. Auch wenn ich als Sohn quasi damit das Leben meiner Mutter beendet habe, so habe ich doch vor allem das Leiden beendet. Ein lebenswertes Leben wäre es nicht mehr gewesen, nur das Pflegeheim hätte Monat für Monat rund 3.000 € für Pflegestufe 3 kassiert. Eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sollte heutzutage jeder volljährige Mensch ab 18 Jahren haben, was meine Frau und ich erst vor etwa 5 Jahren erfahren und dann auch sofort gemacht haben. Uns war aber nicht klar, daß wir im Falle eines lebensbedrohlichen Vorfalls/Unfalls/Krankheit oder so z.B. für unseren knapp 20 jährigen Sohn rechtlich gar keine Vollmacht gehabt hätten, Entscheidungen zu treffen. Nun wird er in den nächsten Tagen selbst auch so etwas ausfüllen und unterschreiben. Was ich aber bisher noch nirgendwo lesen oder erfahren konnte und für mich von grosser Bedeutung wäre ist die Frage, in welchen Zeitabständen müssen denn solche Willensbekundungen erneuert oder aktualisiert werden??? Damit nicht im Fall des Falles mal irgendjemand sagen kann, die Erklärung sei veraltet, ungültig oder so. Es reicht ja nicht, einmal diese Erklärungen abzugeben, man möchte ja auch sichergehen, daß sie dauerhaft Gültigkeit haben. WEISS hier jemand defintiv, wie es damit aussieht??
Der Herr segne dich und behüte dich auf all deinen Wegen....
Zitat von leolingamiWas ich aber bisher noch nirgendwo lesen oder erfahren konnte und für mich von grosser Bedeutung wäre ist die Frage, in welchen Zeitabständen müssen denn solche Willensbekundungen erneuert oder aktualisiert werden??? Damit nicht im Fall des Falles mal irgendjemand sagen kann, die Erklärung sei veraltet, ungültig oder so. Es reicht ja nicht, einmal diese Erklärungen abzugeben, man möchte ja auch sichergehen, daß sie dauerhaft Gültigkeit haben. WEISS hier jemand defintiv, wie es damit aussieht??
Eine Patientenverfügung kann keinen Arzt zwingen, etwas zu tun, das sein Gewissen oder gültige Gesetze ihm verbieten. Eine Patientenverfügung kann ihm aber im Prinzip jegliche Behandlung untersagen.
Muß eigentlich eine Patientenverfügung unbedingt von einem Notar gefertigt sein oder kann man das selber schriftlich zu Hause hinterlegen, bzw. der Person seines Vertrauens aushändigen?
Wie, warum auch immer - bei allen Überlegungen kann man einfach nur zu dem Schluß gelangen - solange ich Herr meiner Sinne und Handlungen bin, tue ich, was ich gut für mich heiße. Ja, das kann auch das Ende des Lebens in dieser Ebene sein. Nur, was für mein Haustier "human" ist, kann für mich nicht schlechter sein.
Zitat von Kräuterfee . . . . was für mein Haustier "human" ist, kann für mich nicht schlechter sein.
Richtig Iris, aber wenn du keine Vorsorge getroffen hast und selber dich nicht mehr artikulieren kannst, dein Leben für dich nicht mehr lebenswert ist - wie willst denn verhindern, dass man dich aus Kostengründen künstlich mittels Maschinen künstlich am Leben erhält?